Auf dieser Seite werden Cookies verwendet. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert Inhalte und Werbung anzuzeigen. Indem Sie die Seite nutzen, stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Weitere Infos

OK
Wird geladen ...

Kausalität

Kausalität – «Ursächlichkeit» – spielt u.a. in der obligatorischen Unfallversicherung eine bedeutende Rolle. Ein Unfallversicherer ist grundsätzlich nur dann leistungspflichtig, wenn ein Gesundheitsschaden Folge eines versicherten Risikos ist, also ein Kausalzusammenhang besteht.Als natürlich kausal gelten alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der Gesundheitsschaden beispielsweise nicht eingetreten wäre. Der adäquate Kausalzusammenhang wirkt haftungsbegrenzend. Vereinfacht gesagt ist er dann zu bejahen, wenn der beispielsweise der Unfall geeignet war, nach der allgemeinen Lebenserfahrung den eingetretenen Gesundheitsschaden herbeizuführen

BGE 120 V 95 E. 4c.
Art. 4 ATSG bzw. Art. 6 Abs. 1 UVG. Vgl. BGer, 8. Juli 2019, 8C_261/2019, E. 4.3.1.
Art. 6 Abs. 3 VVG.
Bzw. nach Inkrafttreten der VVG-Revision am 1. Januar 2022 «des Versicherungsunternehmens».
BGer, 7. Oktober 2016, 9C_18/2016.
BGE 134 V 109 E. 2.
Vgl. BGer, Juli 2019, 8C_261/2019, E. 3.
BGE 142 V 435 E. 1.
BGE 138 V 248 E. 5.1.
BGE 134 V 109 E. 2.1. Siehe nachfolgender Titel.
BGE 134 V 109 E. 2.1. Siehe nachfolgender Titel.
Vgl. BGE 141 V 574.
Z.B. BGer, 8. Februar 2000, U 167/99.
Bei einer psychischen Fehlentwicklung.
BGE 115 V 133 E. 6c aa.
Vgl. Übersicht in, BGer, 15. November 2010, 8C_655/2010, E. 4.1.2.
BGE 134 V 109 E. 10.4.

BGE 115 V 133 E. 6c aa.

Vgl. Übersicht in, BGer, 15. November 2010, 8C_655/2010, E. 4.1.2.

BGE 134 V 109 E. 10.4.

Kausalität im UVG

Ein Unfallversicherer haftet für einen Gesundheitsschaden nur insoweit, als dieser nicht nur in einem natürlichen, sondern auch in einem adäquaten Kausalzusammenhang zum versicherten Ereignis steht. Dabei spielt die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der sich aus dem natürlichen Kausalzusammenhang ergebenden Haftung des Unfallversicherers im Bereich organisch objektiv ausgewiesener Unfallfolgen praktisch keine Rolle, da sich hier die adäquate fast ganz mit der natürlichen Kausalität deckt. Objektivierbar nennt man Unfallfolgen dann, wenn Untersuchungsergebnisse reproduzierbar, mit apparativen/bildgebenden Abklärungen bestätigt sowie aufgrund wissenschaftlich anerkannter Untersuchungsmethoden erhoben werden und von den Angaben der zu untersuchenden Person unabhängig sind.

Sind die geklagten Beschwerden zwar natürlich unfallkausal, nicht aber objektiv ausgewiesen, so ist bei der Beurteilung der Adäquanz vom augenfälligen Geschehensablauf auszugehen und es sind weitere unfallbezogene Kriterien einzubeziehen.

Hat die versicherte Person einen Unfall erlitten, der die Anwendung der Schleudertrauma-Rechtsprechung rechtfertigt, so sind die durch die Rechtsprechung 2008 präzisierten Kriterien massgebend, oder, bei Nichtanwendbarkeit dieser Rechtsprechung, die Adäquanzkriterien, welche für psychische Fehlentwicklungen nach einem Unfall entwickelt wurden.

Wird dann die Unfallkausalität schliesslich bejaht, sind für die Beurteilung der invalidisierenden Wirkung einer spezifischen Verletzung der Halswirbelsäule ohne organisch nachweisbare Funktionsausfälle bzw. für die Zusprechung einer Rente noch weitere Hürden aufgrund eines strukturierten Beweisverfahrens zu überwinden.

Adäquater Kausalzusammenhang bei einem mittelschweren Unfall

Bei mittelschweren Unfällen an der Grenze zu schweren Unfällen wie beispielweise einem Sturz aus 6 bis 8 Metern Höhe müssen bei organisch nicht genügend nachweisbaren Unfallfolgen drei von sieben der nachfolgenden Kriterien für die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs erfüllt sein:

Wenn aus einem mittelschweren Verkehrsunfall an der Grenze zu einem schweren Unfall ein Schleudertrauma resultiert, sind die obgenannten Kriterien 3, 4, und 7 durch die höchstrichterliche Rechtsprechung präzisiert anzuwenden:

  • besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalls (1),
  • die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen (2), insbesondere ihre erfahrungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen wie z.B. Verlust eines Auges oder Amputation mehrerer Finger nach Fräsunfall,
  • ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung (3),
  • körperliche Dauerschmerzen (4),
  • ärztliche Fehlbehandlung, die die Unfallfolgen erheblich verschlimmert (5),
  • schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen (6),
  • Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit (7) wie z.B. volle Arbeitsunfähigkeit während eineinhalb Jahren.

Wenn aus einem mittelschweren Verkehrsunfall an der Grenze zu einem schweren Unfall ein Schleudertrauma resultiert, sind die obgenannten Kriterien 3, 4, und 7 durch die höchstrichterliche Rechtsprechung präzisiert anzuwenden:

  • Fortgesetzt spezifische, belastende ärztliche Behandlung,
  • erhebliche Beschwerden,
  • erhebliche Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen.

Fragen und antworten

Bei der Invalidenversicherung handelt es sich um eine sogenannte finale Versicherung, was bedeutet, dass sie das Risiko der Invalidität unabhängig vom Vorliegen eines bestimmten versicherten Ereignisses wie Krankheit oder Unfall deckt. Die Invalidenversicherung ist im Bereich der Leistungen auf die Abschätzung der Folgen des Gesundheitsschadens ausgerichtet. Anders die obligatorische Unfallversicherung, bei der vorausgesetzt wird, dass zwischen dem Unfall und dem Gesundheitsschaden ein natürlicher und ein adäquater Kausalzusammenhang besteht.

Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist der Kausalitätsbegriff weit zu verstehen und sieht vor, dass wenn ein Vertrag – wie in der gebundenen Vorsorgeversicherung der Säule 3a – aufgrund einer Anzeigepflichtverletzung beispielsweise durch unrichtiges Ausfüllen des Antragsformulars und der Gesundheitserklärung gekündigt wird, auch die Leistungspflicht des Versicherers für bereits eingetretene Schäden erlischt. Und zwar dann, wenn deren Eintritt oder Umfang durch die nicht oder unrichtig angezeigte erhebliche Gefahrentatsache beeinflusst worden ist. Im vorliegenden Fall war eine hinreichende Kausalität zu bejahen zwischen dem massiven, verschwiegenen Übergewicht und dem Risiko kardiovaskulärer Erkrankungen, das sich auch realisierte (E. 6).

Nein, bei organisch objektiv ausgewiesenen Unfallfolgen spielt die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der sich aus dem natürlichen Kausalzusammenhang ergebenden Haftung des Unfallversicherers nur eine untergeordnete Rolle, da sich hier die adäquate mit der natürlichen Kausalität fast ganz deckt und somit in der Regel zu bejahen ist.

Grundlagen

Gesetze

Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
Art. 4 - Unfall
Bundesgesetz über die Unfallversicherung
Art. 6 - Allgemeines
Bundesgesetz über den Versicherungsvertrag
Art. 6 -

Rechtsprechungen

BGE 138 V 248

Tinnitus

In BGE 138 V 249 hat das Bundesgericht in E. 5 die Rechtsprechung zum Tinnitus bereinigt, indem es festgehalten hat, dass bei einem Tinnitus, der keiner organisch objektiv ausgewiesenen Unfallfolge zugeordnet werden kann, der adäquate Kausalzusammenhang zum Unfall, wie bei anderen organisch nicht ausgewiesenen Beschwerdebildern, nicht ohne besondere Prüfung des adäquaten Kausalzusammenhangs zu bejahen ist.

BGer 8C_480/2013

Psychische Schädigung nach einem Schreckereignis

Die psychischen Beschwerden einer versicherten Person, die nach einem nächtlichen Angriff am Arbeitsplatz auftreten, nachdem sie von zwei bewaffneten, maskierten Männern mit einer laufenden Motorsäge angegriffen und verletzt worden ist, sind nach der allgemeinen Adäquanzformel als adäquat-kausale Gesundheitsschäden zu qualifizieren (E. 6).

Stichwort teilen

DatenschutzAGB