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Leistungskoordination

Das schweizerische Sozialversicherungsrecht ist in verschiedenen Gesetzen geregelt. Es kommt nicht selten vor, dass verschiedene Sozialversicherungszweige dasselbe Risiko abdecken. Im Jahr 2018 beliefen sich die Ausgaben aller Sozialversicherungen auf 164 Milliarden Franken, weshalb die Koordination der einzelnen Leistungsansprüche von Bedeutung ist.

Bundesrat, Koordination zwischen Taggeldversicherungen und Leistungen der ersten und zweiten Säule, Bericht des Bundesrates in Erfüllung des Postulats 12.3087 Nordmann vom 7. März 2012, Bern 2017, S. 6 (abrufbar unter "https://bit.ly/3ryAIeh", zuletzt besucht am: 29. Dezember 2020).
Art. 63 Abs. 1 ATSG; Hürzeler, Marc: Art. 63 ATSG N 6, in: Frésard-Fellay, Ghislaine; Klett, Barbara; Leuzinger-Naef, Susanne (Hrsg.): Basler Kommentar, Allgemeiner Teil des Sozialversicherungsrechts, Basel 2020.
Mit Ausnahme von Art. 67 ATSG (Heilbehandlungen und Geldleistungen).
Art. 63 Abs. 3 ATSG.
Art. 64 Abs. 2 ATSG.
Art. 66 Abs. 1 ATSG.
Kieser, Ueli: Art. 66 ATSG N 16, in: Kieser, Ueli (Hrsg.): Kommentar zum ATSG, 4. Aufl., Zürich 2020.
Art. 66 Abs. 2 ATSG.
Art. 66 Abs. 3 ATSG.
Hürzeler, Marc: Art. 63 ATSG N 1, in: Frésard-Fellay, Ghislaine; Klett, Barbara; Leuzinger-Naef, Susanne (Hrsg.): Basler Kommentar, Allgemeiner Teil des Sozialversicherungsrechts, Basel 2020.
Pärli, Kurt; Hug, Julia; Petrik, Andreas: Arbeit, Krankheit, Invalidität, Arbeits- und sozialversicherungsrechtliche Aspekte, Bern 2015, Rz. 853.
Scartazzini, Gustavo; Hürzeler, Marc: Bundessozialversicherungsrecht, 4. Aufl., Basel 2012, § 23 Rz. 3.
Vgl. Hürzeler, Marc: Art. 63 ATSG N 10, in: Frésard-Fellay, Ghislaine; Klett, Barbara; Leuzinger-Naef, Susanne (Hrsg.): Basler Kommentar, Allgemeiner Teil des Sozialversicherungsrechts, Basel 2020. Wenger, Maria: Krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit und Lohnfortzahlung, Zürich 2018, Rz. 199.
Vgl. hierzu Art. 63 bis Art. 71 ATSG.
Scartazzini, Gustavo; Hürzeler, Marc: Bundessozialversicherungsrecht, 4. Aufl., Basel 2012, § 23 Rz. 26.
Art. 63 Abs. 2 ATSG.
Art. 63 Abs. 3 ATSG.
Gemäss Art. 77 UVG i.V.m. Art. 99 ff. UVV; Hürzeler, Marc: Art. 63 ATSG N 5, in: Frésard-Fellay, Ghislaine; Klett, Barbara; Leuzinger-Naef, Susanne (Hrsg.): Basler Kommentar, Allgemeiner Teil des Sozialversicherungsrechts, Basel 2020.
Art. 43bis Abs. 4 AHVG.
Art. 33bis Abs. 1 AHVG.
Scartazzini, Gustavo; Hürzeler, Marc: Bundessozialversicherungsrecht, 4. Aufl., Basel 2012, § 23 Rz. 27.
Art. 64 ATSG.
Art. 65 ATSG.
Art. 66 ATSG.
Art. 64 ATSG.
Art. 72 bis Art. 75 ATSG; Kieser Ueli, Art. 63 ATSG N 8, in: Kieser Ueli (Hrsg.), Kommentar zum ATSG, 4. Aufl., Zürich 2020; Scartazzini, Gustavo; Hürzeler, Marc: Bundessozialversicherungsrecht, 4. Aufl., Basel 2012, § 23 Rz. 28.
Scartazzini, Gustavo; Hürzeler, Marc: Bundessozialversicherungsrecht, 4. Aufl., Basel 2012, § 23 Rz. 28.
Hürzeler, Marc: Art. 63 ATSG N 7ff, in: Frésard-Fellay, Ghislaine; Klett, Barbara; Leuzinger-Naef, Susanne (Hrsg.): Basler Kommentar, Allgemeiner Teil des Sozialversicherungsrechts, Basel 2020. Die Grundprinzipien nach Ueli Kieser sind das Kongruenzprinzip und Globalprinzip, vgl. hierzu Kieser, Ueli: Art. 63 ATSG N 52 ff., in: Kieser, Ueli (Hrsg.): Kommentar zum ATSG, 4. Aufl., Zürich 2020.
Siehe für die Übersicht der Koordinationsmethoden Scartazzini, Gustavo; Hürzeler, Marc: Bundessozialversicherungsrecht, 4. Aufl., Basel 2012, § 23 Rz. 34 ff.
Bundesrat, Koordination zwischen Taggeldversicherungen und Leistungen der ersten und zweiten Säule, Bericht des Bundesrates in Erfüllung des Postulats 12.3087 Nordmann vom 7. März 2012, Bern 2017, S. 6 (abrufbar unter "https://bit.ly/3ryAIeh", zuletzt besucht am: 29. Dezember 2020); Hürzeler, Marc: Art. 63 ATSG N 7, in: Frésard-Fellay, Ghislaine; Klett, Barbara; Leuzinger-Naef, Susanne (Hrsg.): Basler Kommentar, Allgemeiner Teil des Sozialversicherungsrechts, Basel 2020.
Art. 66 Abs. 1 ATSG.
Hürzeler, Marc: Art. 63 ATSG N 9, in: Frésard-Fellay, Ghislaine; Klett, Barbara; Leuzinger-Naef, Susanne (Hrsg.): Basler Kommentar, Allgemeiner Teil des Sozialversicherungsrechts, Basel 2020.
Hürzeler, Marc: Art. 63 ATSG N 9, in: Frésard-Fellay, Ghislaine; Klett, Barbara; Leuzinger-Naef, Susanne (Hrsg.): Basler Kommentar, Allgemeiner Teil des Sozialversicherungsrechts, Basel 2020. Kieser, Ueli: Art. 63 ATSG N 63 ff., in: Kieser, Ueli (Hrsg.): Kommentar zum ATSG, 4. Aufl., Zürich 2020.
Scartazzini, Gustavo; Hürzeler, Marc: Bundessozialversicherungsrecht, 4. Aufl., Basel 2012, § 23 Rz. 35.
Art. 64 Abs. 1 ATSG.
Hürzeler, Marc: Art. 63 ATSG N 9, in: Frésard-Fellay, Ghislaine; Klett, Barbara; Leuzinger-Naef, Susanne (Hrsg.): Basler Kommentar, Allgemeiner Teil des Sozialversicherungsrechts, Basel 2020. Kieser, Ueli: Art. 63 ATSG N 65., in: Kieser, Ueli (Hrsg.): Kommentar zum ATSG, 4. Aufl., Zürich 2020.
Art. 65 ATSG; Hürzeler, Marc: Art. 63 ATSG N 9, in: Frésard-Fellay, Ghislaine; Klett, Barbara; Leuzinger-Naef, Susanne (Hrsg.): Basler Kommentar, Allgemeiner Teil des Sozialversicherungsrechts, Basel 2020.

Begriff

Das schweizerische Sozialversicherungssystem beruht auf verschiedenen, voneinander weitgehend unabhängigen Sozialversicherungszweigen. Tritt ein versichertes Risiko ein, so werden häufig die Leistungen nicht nur durch einen einzelnen Sozialversicherungszweig ausgerichtet. Beispielsweise bei Invalidität, Tod, Alter und Arbeitsunfähigkeit können verschiedene leistungspflichtige Sozialversicherungen in Frage kommen. Die Überschneidung von Risikodeckung und Leistungen macht es erforderlich, die Leistungen aus den verschiedenen Sozialversicherungen aufeinander abzustimmen. Dort, wo verschiedene Leistungen aus demselben verwirklichten Risiko resultieren oder verschiedene Risiken zusammenfallen, entsteht der Koordinationsbedarf. Bei der Leistungskoordination geht es um die Frage, welche Versicherer in welcher Höhe Leistungen zu erbringen haben. Das Koordinationsrecht umfasst die rechtlichen Vorgänge, die sich mit dem Zusammenspiel verschiedener Sozialversicherungsträger untereinander und mit anderen Versicherer ergeben. Grundsätzlich sind Leistungen, die in sachlicher, persönlicher und zeitlicher Hinsicht sowie ereignisbezogen gleichartig sind, zu koordinieren (der sogenannte Kongruenzgrundsatz). Sind Leistungen nicht kongruent, müssen diese nicht koordiniert werden. Im Bundesgesetz über den allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) sind Bestimmungen zur Leistungskoordination zu finden.

Arten der Leistungskoordination

Auf mehreren Ebenen geschieht die Koordination von Leistungen:

Intrasystemische Koordination

Die intrasystemische Koordination ist die Koordination innerhalb eines einzelnen und desselben Sozialversicherungszweiges. Es handelt sich somit um eine zweiginterne Koordination. Diesbezüglich gilt es zu beachten, dass die AHV und IV als ein einziger Sozialversicherungszweig gelten. Die Koordination von Leistungen innerhalb einer Sozialversicherung richtet sich nach dem jeweiligen Einzelgesetz mit Ausnahme von Art. 67 ATSG - beispielsweise die Frage der Leistungszuständigkeit mehrerer Unfallversicherer, Koordination von Hilflosenentschädigungen in der AHV und IV, Koordination der IV-Rente und AHV-Altersrente.

Intersystemische Koordination

Die intersystemische Koordination befasst sich mit dem Zusammenwirken von Leistungen verschiedener Sozialversicherungszweige. Hierbei geht es um eine zweigübergreifende Koordination, weil mindestens zwei verschiedene Sozialversicherungen Leistungen erbringen oder leistungspflichtig sein können. Dabei ist beispielsweise an die Heilbehandlung, die Hilfsmittel oder Eingliederungsmassnahmen, die Renten und Hilflosenentschädigungen der verschiedenen Sozialversicherungen zu denken.

Extrasystemische Koordination

Die extrasystemische Koordination betrifft das Zusammenwirken von Sozialversicherungsleistungen und Leistungen anderer Ausgleichssystemen. Beispielsweise bildet der Rückgriff der Sozialversicherer auf haftpflichtige Dritte der Schwerpunkt dieses Koordinationssystems. Ferner können sich auch andere Konstellationen ergeben, wie etwa die Koordination mit Leistungen des Arbeitgebers, aus privaten Versicherungsverhältnissen oder Sozialhilfe.

Koordinationsmethoden

Es gibt unterschiedliche Koordinationsmethoden, wobei die dazu verwendende Begrifflichkeiten nicht einheitlich gehandhabt werden. Um die Leistungskoordination umfassend umsetzen zu können, haben sich Methoden und allgemeinen Prinzipien entwickelt. Im Folgenden sollen die zwei wichtigsten Koordinationsmethoden erwähnt werden: Das Prinzip der Kumulation oder Konkurrenzprinzip. Die Koordinationsbestimmungen des ATSG beruhen auf den beiden vorgenannten Prinzipien, die durch weitere Methoden relativiert werden.

Kumulation

Nach dem Kumulationsprinzip werden die Leistungen von mehreren Sozialversicherungszweigen je erbracht, wie zum Beispiel die Altersrente der AHV und der obligatorischen beruflichen Vorsorge. Die Kumulation erfolgt jedoch nicht immer unbeschränkt, sondern kann gegebenenfalls unter dem Vorbehalt der Überentschädigung stehen.

Konkurrenzprinzip

Das Grundprinzip der Konkurrenz erfolgt durch die Statuierung von Prioritätsordnungen. Hierbei kann zwischen der absoluten Priorität (Exklusivität) und relativen Priorität (Subsidiarität) unterschieden werden. Das absolute Prioritätsprinzip bedeutet, dass von mehrere in Frage kommenden Sozialversicherungen ausschliesslich eine tatsächlich für die Leistungen aufkommt. Demnach wird jeder andere Anspruch ausgeschlossen. Dieses vorgenannte Prinzip gilt beispielsweise bei der Koordination von Heilbehandlungsleistungen. Die Heilbehandlung wird, soweit die Leistungen gesetzlich vorgeschrieben sind, ausschliesslich von einer einzigen Sozialversicherung übernommen. Nach dem relativen Prioritätsprinzip kann der Leistungsanspruch der versicherten Person bis zur Überentschädigungsgrenze durch die Leistungspflicht der in der Prioritätenordnung nachfolgenden Versicherung ergänzt werden. Z.B. gilt die relative Priorität bei der Koordination von anderen Sachleistungen, namentlich Hilfsmittel oder Eingliederungsmassnahmen.

Siehe auch Leistungskoordination BVG.

Fragen und antworten

Die gesetzlichen Regelungen zur Leistungskoordination sollen verhindern, dass eine versicherte Person nach einem Versicherungsfall durch Leistungen der Sozialversicherungen über ein höheres Einkommen verfügt, als sie erzielen würde, falls der Versicherungsfall nicht eingetreten wäre.

Das ATSG regelt die intersystemische und extrasystemische Leistungskoordination. Die intrasystemische Leistungskoordination und die extrasystemische Koordination zwischen dem Sozialversicherungsrecht und dem Privatversicherungsrecht sind nicht im ATSG geregelt. Der Regelungsbereich der intrasystemischen Leistungskoordination befindet sich in den jeweiligen Einzelgesetzen der Sozialversicherungszweige.

Sind die Voraussetzungen des jeweiligen Einzelgesetzes der Sozialversicherungszweige erfüllt, so geht die Heilbehandlung im gesetzlichen Umfang und in nachstehender Reihenfolge zu Lasten:

Renten und Abfindungen verschiedener Sozialversicherungen werden unter Vorbehalt der Überentschädigung kumulativ gewährt. Bei einer Überentschädigung ist die nachstehende Rangordnung zu beachten. Dadurch wird bestimmt, welcher Sozialversicherungszweig die Überentschädigungskürzung vornehmen darf.
Renten und Abfindungen werden folglich nach den Bestimmungen des jeweiligen Einzelgesetzes und in nachstehender Reihenfolge gewährt:
  • a. von der AHV oder der IV;
  • b. von der MV oder der UV;
  • c. von der beruflichen Vorsorge.

Bei Hilflosenentschädigungen kommt die absolute Prioritätenordnung zur Anwendung. Hilflosenentschädigungen werden in nachstehender Reihenfolge ausschliesslich gewährt:
  • a. von der MV oder der UV;
  • b. von der IV oder der AHV.

Grundlagen

Gesetze

Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
Art. 63 - Allgemeines
Art. 64 - Heilbehandlung
Art. 65 - Andere Sachleistungen
Art. 66 - Renten und Hilflosenentschädigungen
Art. 67 - Heilbehandlung und Geldleistungen
Art. 68 - Taggelder und Renten
Art. 69 - Überentschädigung
Art. 70 - Vorleistung
Art. 71 - Rückerstattung von Vorleistungen

Rechtsprechungen

BGE 122 V 6

Kein Koordinationsfall

Richten sowohl die Militärversicherung als auch die Invalidenversicherung aus verschiedenen Gesundheitsschäden einer versicherten Person Hilflosenentschädigungen aus, so liegt kein Koordinationsfall vor.

BGE 145 V 75

Anrechnung der IV-Kinderrente bei der UV-Komplementärrente

Das Sozialversicherungsrecht kennt bei der Festsetzung seiner Leistungen keine Bestimmung zur Koordination mit dem Unterhaltsrecht.

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