Auf dieser Seite werden Cookies verwendet. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert Inhalte und Werbung anzuzeigen. Indem Sie die Seite nutzen, stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Weitere Infos

OK
Wird geladen ...

Erwerbsunfähigkeit

Die Erwerbsunfähigkeit steht im engen Zusammenhang mit den Begriffen der Arbeitsunfähigkeit und der Invalidität. In der Praxis wird die Arbeitsunfähigkeit oft auch als Synonym für Erwerbsunfähigkeit verwendet. Wenn die Folgen einer Krankheit oder eines Unfalls nicht überwindbar sind, so stellt sich die Frage, ob die versicherte Person erwerbsunfähig ist. Die Erwerbsunfähigkeit ist aber kein eigenständiges versichertes Risiko, sondern umschreibt die Beeinträchtigung der Erwerbsmöglichkeiten in der bisherigen sowie in anderen zumutbaren Tätigkeiten.

Art. 6 und Art. 7 ATSG.
Ueli Kieser: Art. 7 ATSG N 57, in: Ueli Kieser (Hrsg.): Kommentar zum ATSG, 4. Aufl., Zürich 2020.
Art. 7 Abs. 2 ATSG; vgl. zum Ganzen Ueli Kieser: Art. 7 ATSG N 72, in: Ueli Kieser (Hrsg.): Kommentar zum ATSG, 4. Aufl., Zürich 2020.
Art. 7 ATSG.
Art. 7 Abs. 2 ATSG.
Ueli Kieser: Leistungen der Sozialversicherung – Begriffe, Voraussetzungen, Checklisten, 3. Aufl., Zürich 2019, S. 32.
Ueli Kieser: Leistungen der Sozialversicherung – Begriffe, Voraussetzungen, Checklisten, 3. Aufl., Zürich 2019, S. 32.

Begriff

Erwerbsunfähig ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganz oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt. Mit anderen Worten ist von einer Erwerbsunfähigkeit zu sprechen, wenn die versicherte Person nicht mehr im Stande ist, ein Erwerbseinkommen für ihren Lebensunterhalt mit der Ausübung einer beruflichen Tätigkeit zu realisieren.

Beurteilung der Erwerbsunfähigkeit

Für die Beurteilung der Erwerbsunfähigkeit sind einzig gesundheitliche Aspekte bzw. die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung relevant. Sofern aus objektiver Sicht eine Erwerbsunfähigkeit überwindbar ist, so ist eine Erwerbsunfähigkeit nicht gegeben. Zudem ist bei der Beurteilung der Erwerbsunfähigkeit massgebend, dass nicht nur die bisherige ausgeübte Tätigkeit der versicherten Person, sondern der gesamte in Betracht kommende ausgeglichene Arbeitsmarkt, herangezogen wird. Demnach wird festgestellt, welche Tätigkeiten oder Berufe die versicherte Person noch ausüben könnte. Einen Berufs- oder Tätigkeitswechsel wird der versicherten Person zugemutet.

Bemessung der Erwerbsunfähigkeit

Durch einen Einkommensvergleich wird die Erwerbsunfähigkeit bemessen. Das Einkommen, das die versicherte Person ohne gesundheitlichen Einbusse erzielen würde (=Valideneinkommen), wird in Beziehung gesetzt zum Einkommen, das sie unter Berücksichtigung ihrer gesamten gesundheitlichen Situation auf dem in Betracht kommenden Arbeitsmarkt zumutbarerweise verdienen kann (=Invalideneinkommen) (siehe auch Stichwort Invaliditätsgrad.

Beispiel

Eine gelernte Detailhandelsfachfrau kann gesundheitsbedingt ihren angestammten Beruf nicht mehr ausüben, weil sie aufgrund einer Rückenoperation nicht mehr 8 Stunden am Tag auf den Beinen stehen kann. Die Invalidenversicherung hilft ihr bei der Umschulung mit, so dass sie mit einem reduzierten Arbeitspensum als Bürokauffrau arbeiten könnte. Dabei könnte sie noch 60% statt 100% arbeiten. Somit ist die versicherte Person teilweise erwerbsunfähig (40%). Sie ist auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt in ihrer Arbeitsfähigkeit (40%) eingeschränkt. Andere Arbeiten mit einem 100% Pensum sind aus gesundheitsbedingten Gründen nicht mehr möglich. 

Fragen und antworten

Arbeitsunfähigkeit ist, wer aufgrund des Gesundheitsschadens im bisherigen Beruf oder im bisherigen Aufgabenbereich nicht mehr tätig sein kann. Demgegenüber ist erwerbsunfähig, wer aufgrund des Gesundheitsschadens auf dem gesamten in Betracht kommenden Arbeitsmarkt keine Erwerbsarbeit mehr ausüben kann. Die Arbeitsunfähigkeit wird vom Arzt festgestellt. Die Erwerbsunfähigkeit wird hingegen von Gesetzes wegen bzw. vom betreffenden Sozialversicherer (in der Regel die Invalidenversicherung) festgestellt.

Invaliditätsfremde Gründe fallen bei der Beurteilung der Erwerbsfähigkeit ausser Betracht. Das sind das Alter, die Bildung oder das soziokulturelle Umfeld. Diese Faktoren können zwar das Erwerbseinkommen beeinflussen, sind aber grundsätzlich nicht mit einer gesundheitlichen Einbusse verbunden.

Die Frage der Zumutbarkeit der Überwindbarkeit wird aus objektiver Sicht beurteilt. Die Zumutbarkeit bestimmt sich in der Regel unter Berücksichtigung von objektiven Umständen, wie zum Beispiel Wohnort, Zumutbarkeit der Arbeitstätigkeit wie auch von subjektiven Elementen, wie zum Beispiel das Alter, soziale Stellung. Die Zumutbarkeit der Überwindung darf nicht nach dem subjektiven Empfinden der versicherten Person beurteilt werden.

Grundlagen

Gesetze

Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
Art. 7 - Erwerbsunfähigkeit

Rechtsprechungen

BGE 134 V 64

Ausgeglichener Arbeitsmarkt

Der ausgeglichene Arbeitsmarkt ist ein theoretischer und abstrakter Begriff. Er berücksichtigt die konkrete Arbeitsmarktlage nicht, umfasst auch Stellenangebote, die in wirtschaftlichen schwierigen Zeiten nicht vorhanden resp. für Teilinvalide kaum zugänglich sind.

BGE 141 V 281

Aufgabe der Überwindbarkeitsvermutung bei somatoforme Schmerzstörungen

Die Überwindbarkeitsvermutung bei somatoforme Schmerzstörung hat das Bundesgericht aufgegeben. Die Vermutung, dass die Schmerzen überwindbar seien, gilt nicht mehr.

Stichwort teilen

DatenschutzAGB